Was bedeutet eigentlich Multinormbekleidung - und wann ist sie wirklich notwendig?

Der Begriff Multinormbekleidung taucht in vielen Ausschreibungen, Gefährdungsbeurteilungen und Produktbeschreibungen auf. Doch was steckt wirklich dahinter – und ist Multinorm immer die richtige Wahl?
Kurz gesagt: Multinormbekleidung schützt den Träger vor mehreren Gefährdungen gleichzeitig – normgeprüft und zertifiziert.
Was bedeutet „Multinorm“ konkret?
Unter der Rubrik „Multinorm“ wird Schutzbekleidung erfasst, die – neben der allgemeinen EN ISO 13688 – nach mindestens vier verschiedenen europäischen Schutz-Normen zertifiziert ist.
Typische Kombinationen sind:
- Hitze- und Flammschutz (EN ISO 11612)
- Schweißerschutz (EN ISO 11611)
- Antistatik (EN 1149)
- Warnschutz (EN ISO 20471)
- Chemikalienschutz (EN 13034 Typ 6)
- Störlichtbogenschutz (EN 61482-2)
Welche Normen relevant sind, hängt von den realen Gefahren am Arbeitsplatz ab – nicht vom maximal möglichen Schutz.
Wann ist Multinormbekleidung wirklich notwendig?
Multinormbekleidung ist sinnvoll, wenn:
✔ mehrere Gefährdungen gleichzeitig oder wechselnd auftreten
✔ Arbeitsplätze nicht klar trennbar sind (z. B. Instandhaltung, Anlagenservice)
✔ Mitarbeiter flexibel eingesetzt werden
✔ einheitliche Schutzkonzepte gewünscht sind
Typische Branchen:
- Metallverarbeitung & Industrie
- Chemie & Energie
- Anlagenbau & Instandhaltung
- Bau & technisches Handwerk
Wann ist Multinorm nicht die beste Lösung?
Nicht jede Tätigkeit benötigt den „Maximalschutz“. Multinorm kann überdimensioniert sein, wenn:
- nur eine einzelne Gefährdung besteht
- hohe Tragezeiten ohne reale Mehrfachrisiken vorliegen
- Komfort und Akzeptanz leiden, z.B. durch Design- und Komforteinschränkungen
- unnötige Mehrkosten entstehen, z.B. bei der Nachimprägnierung von Chemikalienschutz
👉 Wichtig: Mehr Schutz als nötig ist kein Sicherheitsgewinn, sondern kann Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit verschlechtern.
Multinorm vs. gezielte PSA – die Rolle der Gefährdungsbeurteilung
Die Gefährdungsbeurteilung ist die Grundlage jeder PSA-Entscheidung. Der Arbeitgeber muss die Risiken am Arbeitsplatz analysieren.
Sie definiert:
- welche Risiken bestehen
- welche Normen erforderlich sind
- ob eine Multinormlösung oder eine maßgeschneiderte Schutzbekleidung sinnvoller ist
Eine gute PSA-Lösung balanciert:
Normkonformität – Tragekomfort – Wirtschaftlichkeit – Akzeptanz
Fazit: Multinorm ist kein Standard, sondern eine bewusste Entscheidung
Multinormbekleidung ist ein hochwertiges Schutzkonzept, wenn sie gezielt und passgenau eingesetzt wird.
Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der erfüllten Normen, sondern:
👉 die richtige Norm für die tatsächliche Gefährdung.
Auch bei Multinormbekleidung sollten Modell und Gewebe konsequent am Haupteinsatzbereich ausgerichtet sein.
Unternehmen, die Persönliche Schutzausrüstung ganzheitlich betrachten – einschließlich Anwendern, Prozessen und Nachbeschaffung – profitieren langfristig von höherer Sicherheit, besserer Akzeptanz und planbaren Kosten.
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