Berufskleidung der Grefrather Firma Hugo Josten wird in vielen Ländern getragen.

WZ Hr. Weirich Näherei

Grefrath. Ob Papierfabrik, Raffinerie, Stahlproduktion oder Chemiewerk – zigtausende Arbeiter bundesweit und darüber hinaus tragen Tag für Tag Kleidung aus Grefrath. An der Lobbericher Straße 12 hat die Hugo Josten Berufskleiderfabrik GmbH & Co. Kommanditgesellschaft ihren Sitz. Seit fünf Jahren heißt der Inhaber und Geschäftsführer Klaus Weirich, ein gebürtiger Münchner, der seit vielen Jahren in Düsseldorf wohnt.

Der promovierte Kaufmann (56) erwarb das Unternehmen im Rahmen einer „klassischen Nachfolgeregelung“, wie er sagt, von Hugo Josten junior. Der Sohn des Unternehmensgründers, inzwischen über 80, wohnt nach wie vor neben dem Betrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1930 zurückreichen. Der Startschuss fiel damals in Oedt, 1941 erfolgte der Umzug nach Grefrath. Der Fokus lag auf dem Handwerk. „Wir kommen von Bäckern, Metzgern, Köchen“, sagt der heutige Chef.

Das hat sich geändert: Die Kunden kommen längst aus der Industrie. Darunter sind kleine Mittelständler, aber auch namhafte Großkonzerne. Etwa 50 Prozent des Umsatzes wird mit Schutzbekleidung gemacht, beispielsweise mit „Schweißer- und Flammschutz-Langjacken“. Abnehmer sind ausschließlich Geschäftskunden. „Wir liefern direkt an die Industrie, aber auch an technische Händler“, erklärt Klaus Weirich. Das Mietgeschäft spiele ebenfalls eine Rolle. Hierbei bieten Dienstleister Wechselsachen mit Wasch-Service an.

Berufsbekleidung insgesamt ist laut Weirich ein wachsender Markt, der guten Konjunktur sei Dank. Hugo Josten ist Hersteller, auch wenn Jacken, Hosen, Overalls und Co. so gut wie gar nicht mehr am Niederrhein entstehen. Stattdessen werden Schnittmuster und Gewebe nach Mazedonien und Bulgarien geliefert, wo Lohnfertiger sitzen. Einiges wird auch aus China importiert, vor allem „einfache Blaumänner“. In Grefrath würden noch Musterteile und Sondergrößen gefertigt, sagt Weirich. „Uns ist es wichtig, das schneiderische Know-how in der Firma zu haben.“ Es sei eine Herausforderung, entsprechende Fachkräfte zu finden. Das Team an der Lobbericher Straße besteht derzeit aus 26 Mitarbeitern. Zum Vergleich: In früheren Zeiten arbeiteten in Grefrath 60 Näherinnen im Akkord.

In der Berufskleidung kommen immer mehr Damenschnitte auf

Rund 150 Partner sind im Ausland für Hugo Josten tätig. Etwa 200 000 Artikel gehen pro Jahr an die Kunden in Deutschland und ins benachbarte Ausland. Der Exportanteil liegt bei zehn Prozent. Das Kernsortiment wird in Grefrath entwickelt. „Der Trend geht hin zu mehr Chic und Komfort, auch wenn der Schutz natürlich weiter an erster Stelle steht“, erzählt der Geschäftsführer. Die Schnitte seien heute körperbetonter als zu anderen Zeiten.

Und auch das hat sich geändert: Waren Frauen in bestimmten Berufen früher gezwungen, Männerbekleidung zu tragen, kämen heute immer mehr Damenschnitte auf. Und wer hätte noch vor 15, 20 Jahren gedacht, dass einmal Blaumann in einem Atemzug mit Bio und Fairtrade genannt werden würde? Hugo Josten bietet Produkte dieser Art seit 2010 an. „Es ist nicht das Riesengeschäft, aber es wird immer wieder nachgefragt“, sagt Klaus Weirich. (Beitrag der Westdeutschen Zeitung - 20. Februar 2018)